Der Jahresbeginn fühlt sich oft an wie ein lauter Raum.
Überall Listen, Ziele, Pläne. Besser werden, mehr schaffen, endlich durchziehen.
Und irgendwo dazwischen der leise Druck, jetzt bitte alles richtig zu machen.
Vielleicht darf es dieses Jahr anders beginnen.
Ohne Vorsätze.
Ohne Selbstoptimierung.
Ohne das Gefühl, jemand anderer werden zu müssen.
Yoga beginnt nicht mit einem Plan – sondern mit einem Moment.
Mitten im täglichen Chaos ist es für mich oft genau dieser Moment, in dem ich die Matte ausrolle
(oder entstaube, falls sie schon seit Tagen ausgerollt im Raum liegt).
Egal, was danach passiert.
Die Matte ist für mich zu einem sicheren Raum geworden.
Wenn ich darauf bin, stört mich niemand.
Auch in der Familie hat man das inzwischen gelernt und respektiert.
Dort fühle ich mich sicher und willkommen.
Denn auf der Matte verschiebt sich die Frage von
„Was willst du erreichen?“
hin zu
„Wie bist du gerade hier?“
Gerade am Anfang des Jahres kann das besonders heilsam sein.
Nicht sofort nach vorne schauen.
Sondern kurz stehen bleiben.
Spüren. Atmen.
Den Körper wieder bewohnen, statt ihn zu verbessern.
Vielleicht ist genau das der Gegenentwurf zu guten Vorsätzen:
nicht mehr Disziplin, sondern mehr Ehrlichkeit.
Nicht höher, schneller, weiter – sondern näher bei dir.
Praxis ohne Ziel – Wirkung inklusive
„Einfach Yoga“ heißt nicht, dass nichts passiert.
Im Gegenteil.
Wenn wir üben, ohne etwas erzwingen zu wollen, entsteht oft genau das,
was wir uns sonst so fest vornehmen:
- mehr Ruhe im Kopf
- mehr Klarheit im Körper
- mehr Vertrauen in den eigenen Rhythmus
Nicht, weil wir es geplant haben.
Sondern weil wir Raum gelassen haben.
Du hast das Recht auf die Handlung,
aber niemals auf die Früchte der Handlung.(Bhagavad Gita 2.47)
Yoga wirkt, wenn wir aufhören, es benutzen zu wollen.
Wenn wir nicht üben, um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen,
sondern um ganz da zu sein.
Der Jahresanfang als leere Seite und nicht als Neubeginn
Der Beginn eines neuen Jahres muss kein Neuanfang im großen Stil sein.
Er kann auch einfach eine leere Seite sein.
Still.
Offen.
Unbeschrieben.
Jede Praxis wird dann zu einem kleinen Satz darauf –
kein Manifest, keine To-do-Liste.
Nur Bewegung, Atem, Präsenz.
Vielleicht ist das genug.
Eine Einladung
Für dieses Jahr – und besonders für diesen Anfang –
lade ich mich (und dich) ein zu:
- weniger „Ich sollte“
- weniger Vergleichen
- weniger Druck
Und zu mehr:
- Lauschen
- Spüren
- bewusstem Atmen
- Dasein
Keine Vorsätze.
Einfach Yoga.
Und dann schauen,
was sich von dort aus entfalten möchte.
