Als ich auf den Sanskrit-Begriff Līlā gestoßen bin, habe ich sofort gedacht: Das kann ein wunderschöner roter Faden für einen Frühlingskurs werden.
Übersetzt bedeutet es so etwas wie ‚das göttliche Spiel‘. Nicht Spiel im Sinne von leichtfertig oder unernst – eher das Gegenteil. Spiel als Haltung. Als die Fähigkeit, sich vollständig einzubringen und dabei nicht zu verkrampfen. Spiel als Raum, in dem etwas Echtes entstehen kann, gerade weil man nicht auf ein Ergebnis fixiert ist.
Ich habe lange darüber nachgedacht, was mich an diesem Begriff so anspricht. Und ich glaube, es ist das Paradox darin: Damit wirklich gespielt werden kann, braucht es einen Rahmen. Ein Kind, das Fußball spielt, braucht ein klares Feld und ein Tor. Eine Musikerin, die improvisiert, braucht eine Tonleiter. Und wir auf der Yogamatte brauchen zuerst Halt, bevor wir uns wirklich bewegen können.
Das ist die Grundidee meines neuen Kurses.
Was dich in diesem Kurs erwartet
In elf Einheiten bewegen wir uns gemeinsam durch drei Phasen.
Wir beginnen mit Struktur: klare Ausrichtung, bewusste Erdung, der Atem als Führung. Nicht, weil ich euch drillen möchte, sondern weil echter Spielraum einen Boden braucht. Erst wenn der Körper weiß, wo er steht, kann er beginnen, sich wirklich zu bewegen.
Ab der vierten Stunde wird die Form weicher. Wir schauen, was zwischen den Asanas passiert. Wir erlauben Variationen. Wir üben, weniger auf „richtig“ zu schauen – und mehr darauf, was sich ehrlich anfühlt. Das ist der Teil, der manchmal ein wenig unbequem wird. Aber er ist auch der spannendste.
Und schließlich: Ausdruck. Bewegung als Selbstzweck. Und die Frage, was das mit uns macht.
Für wen dieser Kurs gedacht ist
Für alle, die Yoga schon kennen und manchmal das Gefühl haben, es zu sehr im Kopf zu praktizieren. Für alle, die gerade erst anfangen und noch keinen eigenen Rhythmus gefunden haben. Für Menschen, die neugierig sind, was Yoga mit Freiheit zu tun hat – und warum das nichts mit Akrobatik zu tun hat.
Vorkenntnisse brauchst du keine. Was es braucht, ist die Bereitschaft, auch mal nicht zu wissen, wie es weitergeht – und trotzdem da zu sein.
Ein letzter Gedanke
Patañjali beschreibt die ideale Asana mit zwei Worten: sthira sukham (vgl. Yoga-Sutra II.46) – fest und leicht, stabil und angenehm zugleich. Ich finde, das ist eine der schönsten Beschreibungen, nicht nur für die körperliche Praxis, sondern auch als Haltung im Leben. Genau daran wollen wir in diesem Kurs arbeiten.
Ich freue mich sehr auf diese elf Wochen mit euch.
